Die Kunst des Fundraising

Wo kann man für eine große Aktion wie das European Jamboree Geld für die Teilnehmer*innen herbekommen? Dieser Artikel soll euch einen Pfad weisen, welcher euch helfen soll, Unterstützung für das Projekt zusammen zu bekommen. Nehmt diese Ideen doch einfach mal mit in die nächste Gruppenstunde oder den nächsten Stammesrat und diskutiert sie dort oder bringt es erst später bei eurem ersten Unittreffen mit ein.

Schritt eins: Mögliche Geldquellen identifizieren.

Grundsätzlich kann man zwei große Gruppen von Geldquellen unterscheiden: die Öffentlichen und die Privaten. Bei den Öffentlichen handelt es sich um Ämter, Stiftungen, Kirchengemeinden, Vereine usw. Alle diese Organisationen haben gemeinsam, dass hier nach festgelegten Regeln über das Ausgeben von Geld entschieden wird.

Dagegen ist bei privaten Quellen sehr oft alleine das Wohlwollen der Geldgeber notwendig. Es gibt keine festen Verfahren oder Anträge, sondern es kommt darauf an, aktiv zu werden und die Unternehmen und Privatpersonen von einer Förderung zu überzeugen.

Öffentliche Geber sind meist sehr transparent. So sind die Antragsverfahren häufig öffentlich verfügbar (auch im Internet). Meist gibt es auch schon viel Erfahrung in eurem Umfeld. Um öffentliche Fördermöglichkeiten zu finden, solltet ihr in eurem Pfadfinderumfeld und in öffentlichen Quellen recherchieren. Anlaufpunkte sind hier Landesverbände, Jugendämter, Diözesanbüros, Landesfamilienministerien, Jugendringe etc. Auch gibt es oft lokale Stiftungen, welche auch nur in ihrer Region fördern. Solche Stiftungen könnt ihr z.B. über https://stiftungssuche.de oder über https://www.deutsches-stiftungszentrum.de/foerderung recherchieren.

Für private Geldgeber müsst ihr überlegen, welche Unternehmen in eurer Region sind, die ihr für eine Unterstützung ansprechen könnt. Am besten macht ihr eine Liste und arbeitet diese dann nach und nach ab.

Schritt zwei: Gründe dafür liefern, dass man gefördert werden soll.

Die wichtigste Grundregel, wenn es um das Fundraising geht, lautet: Jede*r, der*die uns Geld gibt, möchte von uns eine Gegenleistung. Und je weniger ein Verfahren festgeschrieben ist, desto direkter und schneller wird diese Gegenleistung erfolgen sollen.

Die häufigste Gegenleistung ist die Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit des Geldgebers. Wenn der*die Fördernde uns Geld gibt, möchte er*sie gerne ein positives Image erhalten. Berichte über die Aktivitäten der Pfadfinder*innen, welche den Namen des Geldgebenden enthalten, können diesen als attraktiven Arbeitgeber oder gutes Gemeinschaftsmitglied bestätigen. 

Ein guter Grund für eine Förderung ist eine schon vorhandene Presse- und Social Media- Präsenz einer Pfadfinder*innengruppe. Die Geldgebenden können damit ihre Reichweite erhöhen und sich in bestimmten Gruppen besser darstellen. Vor allem wenn ihr als Gruppe lokale Firmen ansprecht, kann eine größere Reichweite ein guter Anreiz sein.

Auch verfügen wir als Pfadfinder*innen über eine Ressource, welche viele Unternehmen momentan sehr dringend suchen: motivierte und teamfähige, junge Menschen. Viele Firmen sind auf der Suche nach fähigem Personal und tun sich schwer, Nachwuchs zu finden. Hierbei ist wichtig, dass wir nicht unsere Jugendlichen vermarkten oder nur im Interesse der Unternehmen agieren. Aber schon allein für die Möglichkeit, sich gegenüber Jugendliche in einem positiven Licht zu präsentieren, sind Unternehmen zu einer Unterstützung bereit.

Öffentliche Geber wollen oftmals weniger Gegenleistung im Voraus, verlangen aber im Nachhinein oftmals eine Dokumentation in der Form von Berichten, Abrechnungen und/oder Teilnehmendenlisten. Dies kann auch sehr aufwändig sein, gerade weil oftmals der Zuschuss dann auch erst nach Abgabe der Unterlagen überwiesen wird.

Überlegt Euch also vorher, was ihr zu geben bereit seid und was ihr leisten könnt. Davon hängt eure Fundraising-Strategie ab.

Schritt drei: Einen Antrag formulieren.

Um Unterstützung zu bekommen, müsst ihr dann immer einen Antrag an den Fördernden stellen. Dieser Antrag kann schriftlich in einem Antragsformular sein, muss dies aber nicht. Auch ein Anruf bei dem*der Verantwortliche*n einer Firma, eine erste Email zum Erörtern der Möglichkeiten oder ein Gespräch auf einem Gemeindefest ist ein erster Antrag. Dabei sollte man grundsätzlich zwei Dinge beachten.

Zum einen sollte man Anträge planen. Das heißt nicht, dass man nicht spontan sein darf und Gelegenheiten nutzen sollte, aber ein guter Antrag braucht Zeit. Überlegt, was ihr für den Antrag braucht, was ihr vielleicht noch abwarten solltet (z.B. eure verstärkte Medienpräsenz), welche Formalia wie Fristen und Dokumente es gibt, und so weiter. Und dokumentiert eure Anfragen und überlegt euch, wann ihr wieder nachfragen wollt.    

Außerdem sollte ein Antrag dem Förderernden immer die Gründe liefern, warum er*sie euch unterstützen sollte. Deshalb solltet ihr euch beim Formulieren eines Antrags immer eine wichtige Frage stellen: Was sind die wichtigen Ziele des Förderernden und wie unterstützen wir diese mit unserer Aktion? Wenn ihr dies gut darstellen könnt, hat der Förderende einen Gewinn, indem er euch hilft.

 

Schritt vier: Mit der Entscheidung umgehen.

Wenn ihr dann einen Antrag gestellt habt, bekommt ihr dann auch hoffentlich eine Entscheidung mitgeteilt. Diese kann dann entweder eine Ablehnung oder eine Annahme eures Antrags sein.

Eine negative Entscheidung ist vielleicht ein Rückschlag, ist aber im Fundraising ganz normal. Überprüft eure Ideen und Unterlagen, und dann geht ihr den nächsten potentiellen Förderenden an. Vielleicht bekommt ihr auch noch ein Feedback mit der Ablehnung. Nehmt dies ernst! Vielleicht könnt ihr direkt daraus lernen, vielleicht dürft ihr auch einen verbesserten Antrag nochmal beim gleichen Förderenden einreichen. Wenn ihr kein Feedback mit der Ablehnung bekommen habt, dann fragt möglichst nach den Gründen.

Wenn es eine positive Entscheidung gibt, müsst ihr euch natürlich bedanken. Und dann solltet ihr euch einen Plan machen, wie ihr die Verpflichtungen, die Euch aus der Förderung erwachsen, erfüllen wollt. Denkt daran: es ist immer ein freiwilliges Geschäft, und wenn ihr euren Teil nicht erfüllt, kann die andere Seite auch ihre Unterstützung aufkündigen.   

Ihr könnt euch aber auch eine Aktion mit eurer Gruppe überlegen, die ihr durchführen wollt und mit der ihr euch ein bisschen was dazu verdienen könnt. Wenn ihr den Leuten erklärt wofür ihr es macht, sind sie auch oft bereit mehr zu zahlen. 

Wir stehen euch gerne für Fragen zur Verfügung. Schreib dafür am besten direkt an finanzen@europeanjamboree.de !